Eine kleine Einführung in die Regelungstechnik - Teil 4

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Zum Teil 2
Zum Teil 3 - inkl. speziellem Abschnitt über Digitalregler
PDF-File des ganzen Kurses (Bildteil getrennt im Anschluß, insgesamt ca. 1,45 MB)

Der Regelkreis

Besondere Eigenschaften dieses 'Gebildes'

Bei meiner Tätigkeit in der Unterrichtung von Studenten auf dem vorliegenden Gebiet mußte ich feststellen, daß am allerhäufigsten nicht realisiert wird, daß ein ganz grundsätzlicher Unterschied besteht zwischen einer Sprungantwort-Anordnung und einem Regelkreis. Eine Sprungantwort-Anordnung ist sozusagen ein 'offenes' System, sie dient nur zur Charakterisierung von Übertragungsgliedern und kann uns 'nicht direkt aufzeigen, wie sich ein solches Objekt im Regelkreis verhält'. Denn nach erfolgtem Sprung wird dem Objekt ja eine konstantbleibende 'Inputinformation' übergeben ('vorgegaukelt'). Ein Regelkreis dagegen ist ein dynamisch rückgekoppeltes System, bei dem dauernd der 'Inputzustand' abgefragt und bewertet wird und sodann versucht wird eine Änderung vorzunehmen, deren Auswirkung dann wieder den 'Inputzustand' ergibt usw. [ Für ganz 'Gefestigte': Wie stehts' mit einer 'Sprunganwort', bei der auf den Störwert- oder Führungspegel eines 'laufenden' Regelkreises ein Sprung aufgegeben wird? --> Regelungs-Test. Meine Antwort: das Übertragungsglied kann bei Sprungantworten im Sonderfall (oder fast besser gesagt : theoretisch!) auch ein dynamisch rückgekoppeltes System sein (dies wäre dann aber eine ziemlich komplexe 'Strecke' und nicht einfach den elementaren Streckentypen zuordenbar - und gleich gar nicht einfach parametrisierbar!), die Sprungantwort als Vorgang ist aber trotzdem nicht dynamisch rückgekoppelt. Dynamisch rückgekoppelt ist nur das Objekt Regelkreis. (Praktische Bedeutung dürfte eine derartige 'Haarspalterei' aber kaum haben, - habe ich gedacht, - bis mir eine Prüfungsfrage für eine Technikerausbildung untergekommen ist, die mich eines besseren belehrt hat.)]

Für den Praktiker ist es von größtem Interesse, welchen Regler er für seine Strecke wählen soll und wie er ihn einstellen muß, daß das ganze funktioniert.

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Methoden der Anpassung von Regler und Strecke

Sprungantwortmethode

Bei dieser Methode wird die Sprungantwort der Strecke herangezogen, um den Regler einzustellen. Die Daten sind schon vor Zusammenbau des Regelkreises verfügbar. Zur Einstellung der Parameter Kp, Tn und Tv von P-,PI-,PID-Reglern werden - wie bei der Besprechung der Strecken schon gezeigt - die Ersatzzeitparameter Tu und Tg ermittelt.

Ziegler-Nichols-Methode

Diese Methode arbeitet mit dem fertig aufgebauten Regelkreis. Sie untersucht das dynamische Schwingverhalten des Regelkreises und ist deshalb etwas aussagekräftiger als die Sprungantwortmethode, - allerdings auch weniger einfach durchzuführen. Es wird folgendes Prozedere durchgeführt: der Regler wird im Regelkreis als reiner P-Regler eingestellt. Bei niedrigen Kp-Werten ist ('bei leichtem Anschubsen' durch einen kurzen Störpuls) nach einer kurzen Störung ein gedämptes Einschwingen des Istwersignals im Regelkreis zu beobachten. Bei hohen Kp-Werten wird sich der Regelkreis 'aufschaukeln'. Man sucht sukzessiv durch Probieren den Kp-Wert, bei dem der Regelkreis mit gleichbleibender Amplitude schwingt, - den kritischen Ziegler-Nichols-Punkt. Die Periodendauer dieser Schwingung 'tau-kritisch' und die Verstärkung Kp-kritisch sind die beiden Parameter, die bei der vorliegenden Methode zur Auswertung herangezogen werden.

In der nachfolgenden Zusammenstellung sind die Einstellvorschriften für PI - und PID-Regler nach den beiden Methoden aufgeführt

<< Bild betrachten (Einstellregeln, ca. 7 kB) >>

Zur Erinnerung: Kp = 1 / Xp!

Beispiel für die Regleranpassung an eine Streckenserienschaltung aus Totzeit, PT1- und I-Strecke.

Das vorliegende Beispiel wurde mit Hilfe der Flowlearn-Professional-Software von ehemals Comtec in Aachen ausgeführt, - eine analoge Vorgehensweise auf anderen Systemen, wie z.B. Agilent VEE, ist leicht realisierbar, dabei könnten auch reale Regler verwendet werden, wie z.B. ISM-Moduln mit Anbindung über die serielle Schnittstelle an Agilent VEE. Durch das serielle I-Strecken(-teil-)glied wird die Gesamtstrecke zur Strecke ohne Ausgleich. Es soll gezeigt werden, daß die Anpassung auf eine derartige Strecke genauso funktioniert, wie das Prozedere bei Strecken mit Ausgleich.

Abb.17 (Abb.-Teil 2) zeigt das Blockschaltbild des Regelkreises. Die Aufschaltung einer Störung geschieht in einem Addierer, der einen voreingestellten Störwert nach Zuschalten mit einer 'Relaisschaltstufe' zum Stellwert hinzufügt. Wenn man in dieser Anordnung den PID-Regler durch Setzen von Kp = 0 , Tn = 10000 und Tv = 0 'ausschaltet', kann man eine Streckensprungantwort aufnehmen. Dies ist in Abb.18 (Abb.-Teil 2) gezeigt. Die Streckenelemente sind folgendermaßen parametrisiert: PTT-Glied: Totzeit = 4 sec ; PT1-Glied: Kp = 1 und tau = 2sec ; I-Glied: Tn = 20 sec. Die Sprungantwortkurve ergibt nach der Tangentenmethode für Tu = 5,3 sec und für Tg = 20,3 sec. Man sieht, daß die Wirkung des PT1-Glieds in einem 'Abrunden' des Übergangs von der reinen Totzeit in das reine I-Verhalten besteht. Ein Vergleich von Tu und Tg mit den Parametern der Streckenelemente zeigt, daß die Werte 'vernünftig' sind.

Abb. 19 (Abb.-Teil 2) zeigt den Regelkreis am 'Ziegler-Nichols-Punkt'. Nach der Ziegler-Nichols-Methode wurden erhalten: Kp(kritisch) = 6,11 ; tau(kritisch) = 23,6 sec

Die erhaltenen Einstellwerte sind:

Sprungantwortmethode
PI-Regler PID-Regler
Kp 3,8 Kp 4,75
Tn 12,2 Tn 10,6
- - Tv 2,2
-
Ziegler-Nichols-Methode
PI-Regler PID-Regler
Kp 2,78 Kp 3,59
Tn 20,09 Tn 11,82
- - Tv 2,84

Abb. 20-23 (Abb.-Teil 2) zeigt die Protokolle der Reglertests mit den erhaltenen Einstellwerten. Abb. 20 zeigt das Protokoll für die Einstellung eines PI-Reglers nach der Sprungantwortmethode. Der Reglkreis schwingt hier noch ziemlich stark, der Regler schafft die Beseitigung der Störung erst nach sehr langer Zeit. Wenn man versucht, nachzuoptimieren, so kann dies sowohl mit einer Rücknahme des Kp-Wertes bei bleibendem Tn-Wert als auch mit einer Erhöhung des Tn-Wertes bei bleibendem Kp-Wert erreicht werden. Ganz allgemein kann beobachtet werden, daß die Einstellwerte für den PI-Regler nach der Sprungantwortmethode noch nachoptimiert werden müssen. Anders ist es dagegen beim PID-Regler nach der Sprungantwortmethode, vergleiche hierzu Abb. 21. Hier beseitigt der Regler die Störung nach 61-62 sec. Dies ist schon bedeutend besser als die Einregelzeit von etwa 102 sec für den PI-Regler nach der Ziegler-Nichols-Methode, deren Verlauf in Abb. 22 gezeigt ist. Auch der PID-Regler nach der Ziegler-Nichols-Methode ist mit ca. 65 sec Einstellzeit, vgl. hierzu Abb.23, nicht besser. Zusammenfassend kann also festgehalten werden, daß mit beiden Methoden gute Einstellwerte für PID-Regler erhalten werden und daß bei der Sprungantwortmethode der PI-Regler nachoptimiert werden muß.

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Literatur:

Samal, Grundriß der praktischen Regelungstechnik, Oldenbourg, München, 1974.

Röver, Einführung in die selbständige Regelung, Giradet, Essen.

Oppelt, Kleines Handbuch technischer Regelvorgänge, Verlag Chemie, Weinheim, 1972.

Merz Ludwig, Grundkurs der Regelungstechnik, Oldenbourg, München.

Schlitt Herbert, Regelungstechnik in Verfahrenstechnik und Chemie, Vogel Verlag, Kamprath-Reihe 78, ISBN 3-8023-0124-2.

Krist Thomas, Meß- Steuerungs- Regelungstechnik, Hoppenstedt Verlag, 1987.

Paetzold/Habermann, Meß- und Regelungstechnik, Christiani Schriftenreihe, Konstanz, 1988.

DIN 19226, Regelungstechnik und Steuerungstechnik, Begriffe und Benennungen.

Gute Bücher finden sich im Bereich der E-Technik-Studienliteratur, vor allem auch für Fachhochschulen.

Zur Erstellung von PID-Algorithmen auf Digitalsystemen (Mikroprozessoren):

Hofmann, Digitale Regelung mit Mikroprozessoren, 1983, Vieweg Verlag

Birk, Swik, Mikroprozessoren und Mikrorechner, 1983, 2.Aufl., Oldenbourg Verlag, S. 190- 252

Tip zum Learning by doing: Kurs Regelungstechnik in ELRAD 1992, Heft 1-12.
Hierbei wird die Software 'Flowlearn/Flowlearn Professional' von ehemals Comtec in Aachen verwendet, deren Erwerb sehr empfehlenswert wäre, - die wahrscheinlich aber nicht mehr oder schwierig erhältlich ist. Grundsätzlich können die Übungen auch auf anderen Systemen, wie z.B. Agilent VEE (früher HP-VEE) (Meilhaus Electronic) ausgeführt werden.

Meine speziellen Links zu MSR und Datenverarbeitung: Meilhaus Electronic

Weiterer Online-Kurs des Autoren:
Was ist 'Chemische Reaktionstechnik'?
Kleine Wärmelehre (Kalorik)

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Regeltechnik-FAQs (frequently asked questions)

  1. Ich habe ein Gerät mit einem PID-Regler, das hat 3 Drehknöpfe mit den Aufschriften: Xp, Tn und Tv, -vielleicht noch einen mit Yo. (Grundstellwert). Diese Knöpfe haben Skalen mit 0-10, 0-100 o.ä. Woher weiß ich, wie ich diesen Regler für meinen Regelkreis einstellen muß?
    Antwort: Falls in Ihrem Handbuch keine Angaben zu den Skalierungen in % und sec oder min angegeben sind, sind Sie zunächst einmal gezwungen, den Regler zu kalibrieren. Für Xp(Kp) und Tn können Sie nach dem im vorliegenden Kurs beschriebenen Sprungantwortverfahren vorgehen. Für Tv wäre das Verfahren mit einer periodischen Dreieckserregerfunktion zu empfehlen. Tv können Sie aber am ehesten auch noch ohne Kalibration mit Probieren im Regelkreis nachoptimieren. Dann müssen Sie die Anpassung des Reglers auf die Strecke nach den im Kurs geschilderten Methoden vornehmen und letztendlich dann austesten. Mit Probieren werden Sie ohne Erfahrung sehr lange brauchen, mit etwas Erfahrung und Gespür haben Sie ein wenig mehr Chancen.
  2. Mein Regelkreis besteht aus einem PID-Regler und einem elektrisch mit Heizpatronen beheizten Reaktionsapparat, der als Metallblock ausgeführt ist. Es gelingt mir, die Temperatur im Block auf 1/1000 Grad Celsius einzuregeln, aber bei einer Störung braucht das System sehr lange, bis es wieder auf dem gleichen Wert ist, beziehungsweise manchmal geht es nicht mehr auf den ursprünglichen Wert zurück. Was macht mein Regler in diesem Fall falsch?
    Antwort: Der Regler wahrscheinlich fast gar nichts, aber Sie dafür umso mehr! Ihre Strecke Metallblock mit Heizpatronen ist eine träge Strecke mit einer relativ 'steilen Hinstellkraft' (Heizung) und einer sehr langsamen 'Rückstellkraft' (Abkühlung). Diese Assymmetrie führt dazu, daß die Strecke sehr starken I-Charakter hat. Wenn Ihr Regler einen Betriebszustand mit so geringer Schwankung erreicht hat, wie Sie es schildern, dann haben Sie das sozusagen in einem mehr oder weniger 'steuernden aperiodischen Kriechfall' erreicht und nicht in einem stabil eingeschwungenen Regelkreis, denn dieser zeichnet sich schon durch geringfügige Restschwingungen aus, kann aber andererseits auftretende Störungen auch verlässlich wegregeln. Dazu braucht er allerdings eine hinreichende Rückstellkraft (Kühlung). Sie müssen also Ihr Sytem nicht nur mit einer Heiz- sondern auch mit einer Kühlvorrichtung (Luftkühlung, Wasserkühlung o.Ä.) versehen. Wenn Sie in Ihrem System wirklich auf eine Temperaturkonstanz von 1/1000 Grad Celsius angeweisen sind, dann werden Sie bestimmt einen größeren Aufwand betreiben müssen, um dies zu erreichen (z.B. kaskadierte Thermokonstanz usw.). Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die Kenntnis der im System maximal zu erwartenden Wärmeentwicklung (bzw. des max. Verbrauchs), sowie Information über maximal zu erwartende Störungen.
  3. Ich habe in einem Flüssigbadthermostaten in einem kleinen eingehängten Apparat eine geringfügige Wärmeproduktion. Der Inhalt dieses Apparats soll möglichst gut isotherm gehalten werden. Der Wärmebadthermostat verfügt über Heizung und Kühlung. Die vorhandene PID-Regelung erlaubt es, für den Istwert die Temperatur im Probenvolumen heranzuziehen. Ich weiß nicht, wie ich den Regler parametrisieren muß. Durch Probieren gelingt es mir nicht gut, die Wärmeentwicklung wegzuregeln, der Badthermostat kühlt viel zu weit herunter, bevor er wieder sehr langsam auf Endwert einschwingt.
    Antwort: Es liegen einige Ähnlichkeiten zum vorhergehenden Fall vor. Der erste Punkt ist, daß hier ein 'ungeschicktes' System gewählt wurde: das System Wärmebadthermostat hat eine enorme Kapazität, dies führt zu beträchtlichen Totzeiten im 'Stellsystem'. Grundsätzlich ist festzuhalten, daß der Wärmeausgleich im 'inneren System' (Proband) bestimmt ist durch die Güte des Wärmedurchgangs Bad/Proband. Selbstverständlich besteht eine Möglichkeit der Verbesserung in einem Erhöhen des Temperaturgradienten (Außentemperatur erniedrigen), doch besteht hier das Problem, diesen Gradienten sehr kurzfristig und 'wohldosiert' zu verändern. Ich persönlich würde den Wärmedurchgang mit anderen Mitteln optimieren (z.B. Durchmischung) und dann eine klassische Badthermostatisierung mit konstanter Badtemperatur vornehmen, so wie es in der Labortechnik seit Urzeiten gemacht wird. Denn eines bleibt festzuhalten: In einer rückgekoppelten Regelung kann niemals ein schnellerer Ausgleich erreicht werden als die Summme von Totzeiten und Eigenzeiten des Systems vorgeben, dieses Limit möchten gerne 'viele Obergescheiten ausdrucksen', das geht nur mit einer feedforward-Regelung, diese wird dann in der Regel Rechenzeit + Sytemanpassungszeit (Totzeiten+Eigenzeiten) als Optimum für die Einregelzeit erreichen! Also nochmals: Eine Störung, deren sofortige Beseitigung apparativ bedingt z.B. 50 sec benötigt, kann nicht in 20 sec weggeregelt werden! Für den Fall, daß auf einen feedback-PID-Regler nicht verzichtet werden soll, muß dafür gesorgt werden, daß das 'Stellsystem' trägheitsfreier arbeitet, dies könnte beispielsweise in einer Minimierung des Thermostatbadvolumens bestehen. Die im Betrieb gemachte Beobachtung des zu weiten Abkühlens der Badtemperatur dürfte auf einen zu großen Integralanteil bei der Reglereinstellung (zu kleines Tn) zurückzuführen sein. (Aussehen wie I-Teil einer Reglersprungantwort!). Die restlichen Fragen der Reglerkalibration und Streckenanpassung sind, falls überhaupt noch relevant, wie in der vorhergehenden Frage zu beantworten.
  4. Bei meinem Prozeß-Steuerungs/Regelungs-Ablauf unter Windows wird der Echtzeitablauf erkennbar langsamer, wenn ich die Maus bewege. Woher kommt das?
    Antwort: Informieren Sie sich über die Echtzeit-Multitasking-Fähigkeit von Betriebssystemen und Nutzeroberflächen, über das Shannon-Theorem und die Verfahren der Zeitabtastung digitaler Systeme und über Interrupt-Prioritäten in Prozessor-Systemen. Ihre Windows-Nutzeroberfläche ist nur in begrenztem Maße echtzeit-multitaskingfähig, sie ist bei weitem kein Echtzeitmultitasking-Betriebssystem. Die Mausbewegung löst vereinfacht ausgedrückt einen Interrupt mit höherer Priorität als Ihr Prozeßsteuerungsprogramm aus und dieses wird um die Mausbewegungs-Ausführungszeit 'verlängert'. Vermeiden Sie zu kurze Abtastzeitschleifen in ihren Programmen. Packen Sie keine zeitaufwendigen Operationen, wie z.B. komplette Regelalgorithmen, in Ihre Programme, sondern führen Sie diese disloziert und standalone in den Subsystemen aus. Schreiben Sie laufend entstehende Meßdaten zur Protokollierung nicht in ein geöffnetes Plattenfile sondern in ein Array und speichern Sie dieses später ab. In den Handbüchern und Tutorials zu den DAQ-Software-Systemen finden Sie viele Tricks und Vorschläge für Laufzeitoptimierungen.
  5. Ich habe einen elektronischen Temperaturregler erworben, der als 'stetiger PID-Regler angepriesen' wurde. Jetzt habe ich am Stellwertausgang festgestellt, daß dieser nur als Schaltausgang ausgeführt ist (als Neutralkontakt oder Ein/Aus-Stromquelle mit festem Pegel). Dieser Regler hat ja gar keinen stetigen Stellwertausgang (4-20 mA oder 0 bis 10 V)!
    Antwort: Richtig! Der Stellwertausgang ist hier mit großer Sicherheit in Pulsweitenmodulation ausgeführt und eigentlich nur 'pseudostetig', eine Stetigkeit im Stellsystem wird hier nur durch die Dämpfung des elektrischen Heizsystems und der Strecke erreicht. Bei der Regelung anderer Größen ist die Pulsweitenmodulation nicht immer geeignet, derartige Regler sind nicht sehr universell einsetzbar. Andererseits kann bei der Regelung von elektrischen Heizvorgängen im vorliegenden Fall die elektrische Beschaltung sehr schnell vorgenommen werden, wenn man ein sogenanntes Solidstate-Relais, eine optokopplergesteuerte Triac-Schaltstufe, als Stellglied einsetzt.

  6. Wie funktioniert die Pulsweitenmodulation als Stellwertausgabe?
    Antwort: bei der Pulsweitenmodulation wird bei gleichbleibender Zeitbasis eines Rechteckpuls-Ausganges das 'Tastverhältnis', d.h. das Einschalt/Pause-Verhältnis variiert, siehe folgende Abbildung:

    << Bild betrachten (Pulsweitenmodulierte Signalausgabe (PWM), ca. 223 kB) >>

  7. Prüfungsfrage für eine Technikerausbildung:
    Abgebildet ist ein Behälter,der mit einem Schwimmer-Regler (z.B. WC-Zeitspülkasten!) befüllt wird. Frage 'Um was für einen Streckentyp handelt es sich hier'?
    Richtige Antwort nach Lösungsangaben: Strecke 1. Ordnung!
    Das ist auf jeden Fall falsch, weil umgangssprachlich mit 'eine Strecke 1.Ordnung' eine Strecke mit Ausgleich von 1. Ordnung = PT1-Strecke gemeint ist!! Erstens ist das ein Regelkreis und keine Strecke. Wenn man das Objekt aber wirklich als Strecke definieren will, dann ist es eine komlexe Rückkopplungsstrecke, deren Regleranpassung sehr schwierig wird (ein Regler soll einen Regelkreis regeln! kein klassischer Streckengrundtyp!). Ist aber nur der Behälter als Strecke gemeint, dann ist es - die typische Füllstandsstrecke - eine Strecke ohne Ausgleich (Integrale Strecke) vom I0-Typ.
  8. Sehr viele Anfragen erhalte ich gerade zur im vorigen Punkt besprochenen Frage der Regelung von Füllständen. Wie bereits erwähnt, sind Füllstandsstrecken in der Regel Integrale Strecken. Dies wäre für sich gesehen noch gar nicht so problematisch. Das Problem bei den meisten realen Füllstandsstrecken ist, daß die Anordnung keine vernünftigen Stelloperationen des (der) verwendeten Stellglieds(glieder) zuläßt. Denken Sie z.B. an die Schwimmerregelung eines WC-Zeitspülkastens: Das Stellglied kann hier nur den Zulauf öffnen und schließen, aber es kann eine Überfüllung nicht rückstellen!! Nachregeln kann das Ding ja nur, wenn abgelassen wird - und in der Regel ist das dann gleich der Spülvorgang, der eine dramatische Störung darstellt. Ich nenne dies eine 'extreme Assymetrie im Stellverhalten', - denn wie soll der Regler eine Überfüllung beseitigen, wenn er das mit seinem Stellglied gar nicht hinkriegt? Zwischen diesem Verhalten und dem Verhalten, daß ein Stellorgan gleichwertig füllen und ablassen kann oder daß zwei verschaltete Stellorgane das bewältigen - also der 'vollsymmetrische Fall' im Stellverhalten - liegen Anordnungen mit beispielsweise einem schwachen konstanten Ablauf als 'Dauerrückstellkraft' und viele andere 'Creationen' (regeltechnisch sorgloser Zeitgenossen). Also: erste Regel: Analysieren Sie genau, was Ihre Füllstandsstrecke inklusive Stellorganen eigentlich macht und damit auch kann!!! Denken Sie auch an technische 'Nachbesserungen' (an Strecke+Stellglied)!! Beim klassischen Feedback-Regler brauchen Sie da erst gar nicht herumsuchen, denn Regler können in Ihrem (heute meist elektrischen) Stellsignalausgang entweder stetig bipolar analog oder unipolar analog um einen Nullstellpunkt herum alles ausgeben 'was das Herz begehrt', - nur es muß auch geschehen was sie wollen.
    Nun erhebt sich die Frage, wie parametrisiere ich eine Füllstandsstrecke nach der Streckensprungantwortmethode? Die Regeln wurde erwähnt und sind gültig.Bei realen Strecken wird fast immer bei der Anwendung der graphischen Tangentenmethode eine - zumindest kleine - Verzögerungszeit Tu zu finden sein. Schwierig wird die Frage, was den 'Einheitssprung' darstellt, also die Höhe in der Y-Achse, die bei Strecken mit Ausgleich erreicht wird, wenn die Sprungantwort die Höhe des angelegten Sprungs erreicht hat (diese Höhe kann bei Strecken mit Ausgleich dem Graphen entnommen werden, bei integralen Strecken jedoch nicht!). Dieser 'Level' ist aber wichtig, weil er mit seinem Schnittpunkt mit der integralen Anstiegskurve die Zeit Ti bestimmt. Ti ist dann übrigens mit der Anstiegszeit (Eigenzeit, Steilheit, Verzugszeit) TG gleichzusetzen, - damit hätten wir auch die beiden 'Ersatzzeitparameter' für die Reglereinstellung (TU und TG). Nehmen wir nun als ersten Fall den extremen 'WC-Schwimmer-Fall', also: gar keine wirkende Rückstellkraft vorhanden. Der Regler muß 'nur' durch Nachfüllen Ablaßstörungen beseitigen. Na ja, das könnte er nur im aperiodischen Kriechfall , - aber klar ist: eine Überfüllung kriegt der partout nicht weg, - da können Sie sich auf den Kopf stellen und mit den Füßen wackeln!! Parametrisieren wir aber auf den aperiodischen Kriechfall, dann wird der Regler bei Störung so 'lahm' reagieren, daß Sie über das 'Nachfüllen' verzweifeln. Wenn Sie eine geringe Überfüllung akkzeptieren, die der Regler beim Einschwingen produziert, dann würde ich Ihnen vorschlagen, auf beliebige Weise (auch mit dem Stellglied, wenn es das mengenmäßig ermöglicht) einen 'realistischen' Zulaufsprung zu erzeugen, der von einem Punkt unterhalb des Sollwerts bis zu einem von Ihnen gewählten Höchststand geht. Als Punkt unterhalb des Sollwerts würde ich einen Punkt wählen, den ich nach Anlegen einer zu erwartenden Ablaßstörung in der zu erwartenden Wirkzeit so in etwa erhalte. Dann würde ich nur den reinen Ablaß-Sprung bei Störung ausgehend vom Sollwertlevel in gleicher Weise unter realistischen Randbedigungen vornehmen. Für beide Fälle können Sie dann einen Regler-Test mit den erhaltenen Parametern durchführen. Dann müssen Sie sich für eine Kompromißlösung entscheiden. Dabei können Sie ja Prioritäten setzen. Warum das Ganze? Mit den vorgeschlagenen Prozeduren erhalten Sie wirklich charakteristische 'Ersatzzeitinformationen' vom Streckensystem. Ich bin der festen Überzeugung, daß Sie so schon einmal keinen größeren Crash mehr produzieren. Ob Sie einen PI- oder einen PID-Regler nehmen, müssen Sie auch ausprobieren, ich persönlich würde entgegen den Ratschlägen in der Literatur sogar eher einen PID-Regler bevorzugen, weil das D-Glied eine schnellere Einstellung auf 'zu' bei Überfüllung bewirken dürfte, aber das hängt von den Zielen der Regelung ab. Bei zunehmend symmetrischer Stellgliedwirkung (oder z. B. konstanter Rückstellkraft 'Abfluß') würde ich genauso verfahren, wobei zu erwarten ist, daß die Zeitparameter dann immer ähnlicher werden. Sie sehen also: das ganze geht gar nicht so einfach. Wenn ein Entwickler Erfahrung mit moderneren KI-Algorithmen hat, sollte er hier nicht zögern, deren von der klassischen Regelungstechik immer noch unterschätzten Vorteile unter Beweis zu stellen.

    Sehr nützlich wäre es auch wenn Sie Ihre Strecke auf einem Rechner mit Schnittstellenkarte echtzeitsimulieren und mit dem Regler von extern beregeln könnten. Sie können die Strecke entweder durch mathematische Modellierung (z. B. auch einfach nur 'Totzeit plus linearer Anstieg') oder einen Meßdaten/Zeit - Satz simulieren. Nützliche Software ist hierbei z. B. Agilent VEE.

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Wird, wenn es die Zeit erlaubt, fortgesetzt! Geplant ist u.a. ein Regeltechnik-Praktikum mit auf Agilent VEE simulierten Reglern und Strecken, teilweise mit 'reaktionstechnischen Strecken' aus der Techn.Chemie.

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